Film über BDSM

24 /7 The Passion of Life

Der Film wurde zu den 39. Internationalen Hofer Filmtagen 2005 eingeladen und wird dort (vom 26.10.2005 bis 30.10.2005) seine Deutschlandpremiere feiern.

Hier ein kurzer Auszug:

Eva, eine Hotelierstocher, und Magdalena, eine Soziologin Und Mythenforscherin, die als “Lady Maria” in einem SM-Studio arbeitet, begegnen sich zufällig bei einer Motorradpanne. Von der bizarren Welt der "Lady Maria” fasziniert, begibt sich Eva auf die Suche nach Ihrer eigenen Sexualität. Sie beginnt eine Odyssee durch die verborgenen Orte der Lust " Domina Studio, Swingerclub, Stripteasebar – und trifft dabei auf in sich selbst zerrissenen Gestalten, wie zum Beispiel Dominik (Christoph Baumann), der das Leben und Leiden Jesu nachempfinden möchte, oder Mike (Michael Burkhardt), der sich Eva als Reiseleiter der Lust vorstellt und sich dann doch unsterblich in sie verliebt und darunter leidet.

Auf der Seite von wtpfilm nachzulesen, dass 24/7 The Passion of Life ein Film ist, der von der Angst vor uns selbst handelt, von unserer Angst uns selbst zu begegnen im Spiegel unserer Leidenschaften und im Spannungsfeld einer tabubesetzten und doppelmoralischen Gesellschaft.

Dabei wird BDSM nicht als etwas Perverses dargestellt, sondern als natürlicher Teil des Spektrums der Sexualität.
Lokalitäten wie Swingerclubs, BDSM-Studios sind in die Geschichte des Films eingebunden ohne dabei moralisch zu wirken. Das Ziel des Films dieses Thema einmal ganz anders Film darzustellen war den Filmemacher wichtig.

Vor den Dreharbeiten haben sie monatelang mit Leuten aus der Szene gesprochen und deren Erfahrungen auch im Film mit einfließen lassen sodass die Realitätsbezogenheit ganz gut geglückt ist nach Meinung der Filmemacher.

Auch Gordon Weaver, langjähriger Präsident von Paramount Pictures (Hollywood) sah den Film und äußerte sich wie folgt:

24/7 The Passion of Life ist eine mächtige Beteuerung des Lebens. Schaut dieses wichtige cinematographische Werk mit eueren Herzen und offenem Geist und erfahrt die hochsensitive Reflexion, brillant umgesetzt vom exzellenten Casts. Das ist Filmemachen vom Feinsten.”

Auf der Seite von wtpfilm ist auch ein kurzer Ausschnitt des Films zu sehen.

Man kann wohl gespannt drauf sein, ob der Film dies wirklich alles hält was er verspricht!

  1. Vordergründiges Thema des Films ist das Leben zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, die wie Eva und Lilith sind: auf der einen Seite die etwas naiv-trotzige Hotelierstochter (Eva, sehr intensiv gespielt von Marina Anna Eich), die in der Tristesse ihrer Konditionierungen zu versinken droht; auf der anderen Seite die hochintelligente, aber innerlich leere Domina (Magdalena alias Lady Maria, souverän gespielt von Mira Gittner), die in ihrer Freiheit den Boden unter den Füßen zu verlieren droht. Das Schicksal führt diese beiden konträren Frauenbilder zusammen, und erwartungsgemäß kommt es zu einer heftigen Reaktion. Die Domina Lady Maria gewährt der schüchternen Eva einen Blick in die Welt des Sadomasochismus und schickt sie damit auf eine abenteuerliche Reise in das unentdeckte Land sinnlicher Erotik. Doch nicht alles verläuft so, wie Eva es sich vorgestellt hat, und auch die Domina mit den zwei Gesichtern wird letztlich vor harte Prüfungen und unveränderliche Wahrheiten gestellt, die ihr eine Selbstreflektion ermöglichen bzw. diese unweigerlich einleiten. In diesem Film haben alle etwas zu lernen, ohne daß man einen Lehrer ausmachen könnte.

    Wirkt die in den Vorspann eingebettete Zusammenführung der Figuren anfänglich noch etwas staksig und holprig, so läuft das Werk mit Einsetzen der Handlung schnell zu voller Professionalität auf. In für den der SM Szene fremden Zuschauer ungewöhnlich bedrohlichen Bildern kommt Regisseur Reber ohne Umschweife zur Sache und konfrontiert uns mit der dunkeln Seite der menschlichen Seele: Wir sehen den Geschäftsmann, der beim meeting den Sitz seiner Windel dezent prüft, den theophoben Autostigmatiker, der im Weg der Sünde Erleuchtung sucht, da ist der freundliche ältere Herr, der in Dienstmagdkleidung stets zur Stelle ist… in einem Feuerwerk ungewöhnlicher Phantasien hämmert Reber dem Zuschauer ein, daß es hier ums Eingemachte geht, nicht um das lose Vergnügen, das uns in Vanilla-Clubs und Blümchencommunities gelegentlich amüsiert.

    Interessant an der Ausgestaltung des Films sind die Locations und Drehorte. Zum Einen gibt es Szenen aus dem Swingerclub “La Boum”, hier wurden an einem authentischen Drehort die “Vibes” eines solchen Clubs recht gut inszeniert. Kuschlig, gesellig, ein ganz klein wenig spießig im Interieur, ist der Club als Sinnbild “bürgerlich akzeptierter Un-Moral” zu verstehen, während die SM-Szenen, gedreht in einem hervorragenden Studio, die Kompromißlosigkeit des SM-Suchenden konträr dazu kommunizieren. Erst die Extreme des SM schaffen nach allen Seiten einen Rahmen, in dem genug Platz für kreative Selbst-Erschaffung ist, jenseits einer aus Fremdkonditionierungen bestehenden Korsage. So lernen wir im Verlaufe der Geschite, die uns der Film erzählt, daß es nicht Dominik, Elfriede oder Gummisau sind, die in Fesseln liegen, sondern Menschen wie Evas scheinbar lockerer Reiseleiter der Lust -Mike- (gespielt von Clubbesitzer Michael), die gefangen sind in unsichtbaren Ketten, die man ihnen in ihrer Kindheit unbemerkt angelegt hat. Diesen Unterschied zwischen “geduldeter” Freiheit (die keine wahre Freiheit ist) und totaler Ich-Konfrontation durch das ungehemmte Ausleben selbst tiefster, verborgenster Triebe zeigt Roland Reber hier durch den direkten Vergleich auf. Während die Swingergemeinde eher den Eindruck macht, etwas rastlos umherzusuchen, im Nebel der Pheromone und Testosterone herumzustochern, zeigen sich die SMler als straighte und zielorientiert an sich selbst arbeitende Menschen, die durch die Rituale, welche sie vollziehen, ihrer Suche einen Sinn geben. All die Dinge, von denen Mike Eva erzählt, hat er nicht wirklich, das merkt er erst, als er sich sie verliebt und in einem Strudel längst verdrängter Emotionen zu versinken droht.

    24/7 offenbart schonungslos. So mag es nicht verwundern, wenn dieser Film evtl. nicht mit FSK 16 an den Start geht, obwohl er das durchaus verdient hätte. Es sind sicherlich nicht die Erotikszenen, die eine FSK18-Bwertung verursachen, sondern vielmehr die unverblümten Wahrheiten, die 24/7 uns schonungslos auf den Tisch knallt. Roland Reber spielt in seinen Bildern virtuos mit der komplexen Beziehung von Dom und Sub, er läßt uns als Zuschauer eng teilhaben an dem inneren Zerwürfnis, aus dem heraus der Mensch sich selbst als freies Wesen erschafft. Doch der Weg in den Himmel führt oft genug durch die Feuer der Hölle, und daß dieser Weg steinig und voller Dornen ist, merken Lady Marias Zöglinge sehr schnell. Letztlich ist es nicht der Sklave Gummisau, der seiner Herrin dient, sondern umgekehrt; die Grenzen verschwimmen mit fortlaufender Spieldauer des Filmes mehr und mehr.

    Im Grunde sind es am Ende die scheinbar “niederen” Charaktäre, die Duldenden, die aufnehmenden Subs und Sklaven, die sich durch ihre Unterwerfung selbst befreien. Deulich wird dies in einer Schlüsselszene, in der die männliche Zofe der Lady Maria ihr, als sie krank ist, Medizin bringt und sie bekocht und füttert, um dann aufzustehen und zu sagen: “Ich muß dann jetzt gehen”. Lady Maria kann nicht gehen, sie muß bleiben.

    Weiter im Text siehe hier:
    http://www.newaeon.de/index.php?act=viewtext&textID=179844


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